Kinder und die Zeit der Geschenke

Traditionen

Weihnachten

Bald ist es wieder soweit und ich möchte anregen, die Zeit der bunten Lichter und Geschenke aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Für viele ist es die Weihnachtszeit und diese ist, mit einem immensen Stress für die Eltern verbunden.

Kinder freuen sich das ganze Jahr darauf und schreiben in jungen Jahren, Wunschlisten was sie gerne unter ihrem Weihnachtsbaum finden möchten. Viele von Ihnen glauben noch an den Weihnachtsmann oder das Christkind. Einerseits ist es eine sehr schöne Angelegenheit, ich persönlich mag diese Zeit auch.

 

Alles glitzert, funkelt und glänzt, es ist schön anzusehen.

Weihnachten glitzer bilder

 

Die Augen der Kinder, die diese Glitzerwelt erleben und bewusst wahrnehmen, haben leuchtende Augen und schauen sich in Fazination  um.

Ihre kleinen Gesichter sind vor Aufregung gerötet die Augen nehmen einen verträumten Blick an.

Zu Hause ist es meist wohlig warm, viele die einen Kamin haben, wissen es gibt keine schönere Wärme die mit soviel Gemütlichkeit genossen werden kann.

Abends flackern die Zimmer im Kerzenlicht und hüllen die Räume in ein mystisches Licht. In der Küche werden viele Plätzchen gebacken und der Duft zieht durch Wohnungen und Häuser.

Heute ist diese schöne Zeit auch mit etwas anderem verbunden, die Steigerung des Bruttosozialproduktes, in dieser Zeit das meiste Geld zu verdienen. Es ist eine Installierte Feierzeit und hat mit dem was wir damit verbinden nichts zu tun.

Was wäre wenn wir diesem nicht mehr nachkommen würden und uns auf eine andere viel ältere Tradition zurück erinnern? Eine Tradition die schon sehr lange existiert und wie ich finde dem Konsumzwang ein Schnäppchen schlagen kann.

 

Was ist Weihnachten? Die offizielle Erklärung dazu

Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Wann genau vor etwa 2.000 Jahren Jesus geboren wurde, ist nicht bekannt. Die Feier des 25. Dezember als Geburtsfest Jesu ist erstmals für das Jahr 336 in Rom bezeugt. Weihnachten heißt so viel wie heilige, geweihte Nächte. Die Geburt Jesu bedeutet nach christlichem Verständnis die Menschwerdung Gottes; in Jesus hat sich Gott den Menschen mitgeteilt, in ihre Geschichte hinein begeben, sich ihrer erbarmt und ihnen Heil geschenkt. Deshalb gilt Weihnachten als Fest der Liebe.

Nach dem Bericht des Evangelisten Lukas waren es Hirten, die zuerst Nachricht von der Geburt Jesu erhielten. Ihnen verkündete ein Engel: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ Das ganze soll sich in Bethlehem und Umgebung zugetragen haben. In der knapp zehn Kilometer von Jerusalem entfernten Stadt steht heute die Geburtskirche.

Die wirkliche Bedeutung von Weihnachten

 

Weihnachten – ein universelles Fest

 

Viele Menschen glauben, das Fest am 24. und 25. Dezember wäre ein christliches Fest, begründet auf die Geburt Jesu Christi. Tatsächlich ist die Bedeutung von Weihnachten viel universaler, weit hinaus über eine bestimmte religiöse Tradition genannt Christentum.

Am selben Tag feierten die Babylonier die Geburt des Tammuz, die Perser die Geburt des Mithras, der Phryger der Geburt des Attis, die Ägypter die Geburt des Osiris und die Griechen die Geburt des Adonis. Ebenfalls während dieser Zeit im Dezember hielten die Römer ihre betrunkenen Saturnalien zu Ehren von Bacchus, dem Gott des Weines ab.

In der Tat wurde das christliche Datum von Weihnachten erst im vierten Jahrhundert bewusst gesetzt, um diesen heidnischen Festen zu entsprechen, festgesetzt 337 AD durch Papst Julian I. Bis zum heutigen Tag widerspricht die orthodoxe Kirche diesem Datum als Geburtstag Christi. Insgesamt gab es im Laufe der Geschichte 136 verschiedene Daten, an denen die verschiedenen christlichen Sekten die Geburt des Christus feierten.

Daher ist es offensichtlich, dass dieses Fest am 25. Dezember nicht christlich, sondern heidnisch und viel älteren und gemeinsamen Ursprungs ist. Die Frage ist: Was ist die universelle Bedeutung dieses Datums, dass die Alten es als Zeitpunkt der Feiern zu ehren ihrer Götter und Retter auserwählten?

 

Wir treten nun ein in eine ganz besondere Zeit des Jahres, die nicht nur zu gegenseitigem Geben und Dankbarkeit für unsere Familien, Freunde und Mitmenschen einlädt, sondern auch zu tiefer Selbst-Reflexion und Meditation.

Die Menschheit ist an einem kritischen und entscheidenden Moment ihrer Geschichte angelangt, wie sie nur selten im Laufe der Geschichte vorkommen. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen und die Maßnahmen, die wir ergreifen, werden äußerst schwere Folgen haben, nicht nur für uns, sondern auch für alle kommenden Generationen.

Wir sollten beiseite legen, was wir schon kennen. Wir sollten die Unterschiede beiseite legen, die Menschen und Nationen trennen. Und wir sollten tief neu denken, gründlich informiert über den Stand der Dinge in der Welt, so dass wir verantwortungsvoll, kreativ und kraftvoll eine neue Zukunft erschaffen können, für uns und für Familien, für unsere Gemeinschaften und die Erde als Ganzes

Die Weihnachtszeit ist reserviert und tatsächlich kosmisch prädestiniert für solch tiefe Kontemplation, Reflexion und Meditation. Und dieses Weihnachten des Jahres 2011, vor der Morgendämmerung des Jahres 2012, ist wirklich eine bedeutsame Möglichkeit von epochalem Ausmaß für einen tiefgreifenden Wandel im menschlichen Bewusstsein

Weihnachten aus kosmologischer und astrologischer Sicht

In der nördlichen Hemisphäre markiert der 21. Tag des Monats Dezember die Wintersonnenwende, den Tag, an dem die Sonne ihren südlichsten Punkt erreicht. Dies ist die kürzeste und dunkelste Nacht des Jahres. Nach der alten Kosmologie sind zu diesem Zeitpunkt die physischen Kräfte der Sonne auf der Erde an ihrem Minimum, während die psychischen oder astralen Kräfte der Erde selbst am Mächtigsten sind. Und das Maximum dieser psychischen Kräfte liegt etwa drei oder vier Tage nach dem 21. Dezember, also am 24. oder 25., kurz bevor der Einfluss der zurückkehrenden Sonne zu spüren ist.

Um Mitternacht, an der Schwelle zwischen dem 24. und 25. Dezember, wenn die Sonne direkt „unter der Erde“ liegt, und wenn das Sternzeichen Virgo, die Jungfrau, am Horizont erscheint, wird der Christus (das göttlichen Bewusstseins) von einer Jungfrau geboren. Diese Geburt signalisiert den Anbruch eines unbefleckten neuen Jahres und symbolisiert den Triumph des Lichts über die Dunkelheit. So wird um Mitternacht, das göttliche Bewusstsein, der „Heiland“, unbefleckt empfangen im Geist, einer Jungfrau geboren, in der dunkelsten Nacht.

Wenn die mondäne Welt der Welt der Erscheinungen am Dunkelsten ist, ist die spirituelle, noumenale Welt am Hellsten. Das leuchtende Numen überwacht das Erwachen der Welt und kündigt eine neue an. Das kosmische Licht erleuchtet unseren Weg in Richtung unserer göttlichen Bestimmung, unserer „Errettung“, unserer Befreiung und dem Glück und der Seligkeit unserer Seele.

Das ist die kosmische Bedeutung und Tragweite des 25. Dezembers, der heute als Weihnachten gefeiert wird. Dieses ist in der Tat eine „heilige Nacht“, denn dies ist ein ernster, heiliger Augenblick in der Natur, in diesem kosmischen Zyklus, den wir mit der gleichen Ehrfurcht und Verehrung betrachten sollten, mit der wir eine Sonnenfinsternis und andere Wunder des Universums beobachten.

 

Weihnachten – der Sommer der Seele

 

Diese spirituelle Bedeutung erstreckt sich auf die gesamte Weihnachtszeit und den Winter als Jahreszeit. Die Weihnachtszeit ist für das Jahr, was der Sabbat für die Woche ist: Eine Zeit für spirituelle Reflexion und Regeneration. Es wird gesagt, dass die Nacht die Tageszeit der Seele ist. Das Gleiche gilt auch für den jährlichen Zyklus. Die Winterzeit ist der Sommer der Seele. Der Winter ist die Zeit der geistigen Aktivität, der Sommer die Zeit der körperlichen Aktivität.

John Milton schrieb einmal (sinngemäß), dass er gar nicht erst versuche, im Sommer zu schreiben, weil seine Inspirationen im Winter so viel besser wären. In der Winterzeit unterstützen die kosmischen Kräfte unsere spirituelle Erleuchtung und die Weisen nutzen diese Jahreszeit für ihre spirituelle Erleuchtung und kreative Inspiration.

Fest des Lichts

                                                                                                             

      Deshalb lasst uns diese kostbare Zeit für spirituelle Erleuchtung und Entwicklung und bedeutsame Selbst-Reflexionen und Entscheidungen nicht vergeuden – unter dem Druck des banalen Kommerzes dieser Welt – indem wir uns an physischen Freuden und körperlichen Begierden übersättigen, oder obligatorisch materielle Dinge verschenken.

Möge unser Geben von authentisch spiritueller Natur sein. Möge unser Geben aufrichtig unserer Liebe und Wertschätzung entspringen. Möge die Form („das Geschenk“), die unsere Botschaft von Liebe und Wertschätzung trägt, dieser Botschaft angemessen sein, die jenseits aller Form liegt.

Lasst uns alleine jeder einen Blick tief in unsere Seele tun, so tief, dass wir das Innerste erreichen, wo unsere individuellen Seelen eins werden im Schoß der Über-Seele. Lassen wir uns von dem Licht und der Liebe der Über-Seele erleuchteten. Lasst uns unsere Welt erleuchten mit unserem Licht und unserer Liebe. Lasst uns gemeinsam kreativ unsere gemeinsame Zukunft von Licht und Liebe ins Leben denken.

Dieser Tag ist das Fest des Lichts der ganzen Menschheit, jenseits jeder Religion und jeden Glaubens. Gemeinsam feiern wir unsere kosmische Einheit als Menschheit, das Licht und die Liebe in unseren Herzen und das gemeinsame Schicksal, das uns alle ins das „gelobte Land“ des göttlichen Segens tragen wird.

 

Bedeutungsvolle Rauhnächte…

 

Eine magisch, mystische Zeit wird unter den 12 heiligen Nächten verstanden, die im Monat Dezember beginnen. Die Rauhnächte 2019 beginnen mit der Nacht von Montag, dem 24. Dezember, auf Dienstag, den 25. Dezember.

In den Rauhnächten trifft sich die Welt des Sichtbaren und Wirklichen mit der Welt des Unsichtbaren. Götter, Göttinnen und gute Geister sind
in der Vorstellung früherer Traditionen jetzt zum Greifen nah. Täglich sind die Menschen mit den ganz realen Auswirkungen des göttlichen
Treibens im Diesseits konfrontiert. Den stürmischen, nächtlichen Himmel haben sie Wotan bzw. Odin, Hauptgott der nordischen Mythologie, zu verdanken, der jetzt mit seiner wilden Jagd durch die Lüfte braust. Er sorgt dafür, dass die Sonne, die sich in der Unterwelt verfangen hat, wieder auf die Erdoberfläche zurückkehrt. Seinem Totenheer wird reichlich geopfert mit ihren Lieblingsspeisen, die des nächtens vor die Tür gestellt werden. Denn auf diese Art zufrieden gestellt, begünstigen die Toten bei ihrer Rückkehr unter die Erde das Wachsen der Samen, die in dieser Zeit das Keimen beginnen.
 

Rauhnächte – 24. Dezember bis 5. Januar

Mindestens 12 Rauhnächte

 

Die Rauhnächte waren bei unseren Vorfahren Heilige Nächte. In ihnen wurde möglichst nicht gearbeitet, sondern nur gefeiert, wahrgenommen und in der Familie gelebt. Es gibt 12 Rauhnächte! Diese Rauhnächte gingen immer von Nacht zu Nacht. Also von 24.00 Uhr an Heilig Abend, der „Mutternacht“ bis 24.00 Uhr am 25. Dezember – das war die erste Rauhnacht.
„Nacht“ deswegen, weil wir uns nach dem keltischen Jahreskreis in der Jahresnacht befinden. Somit ist der ganze Tag „Nacht“. Und die letzte Rauhnacht endet um 24.00 Uhr am 5. Januar. Diese Nacht ist wieder eine besondere Nacht, die Perchten-Nacht, wo an vielen Orten in Bayern und Österreich Perchtenläufe abgehalten werden.
Danach ist dann Heilig-Drei-König, das Fest, das auch Epiphaniea, „Erscheinung“, genannt wird.
Es gibt aber auch Varianten von z.B. 13 Rauhnächten, weil man davon ausgehen kann, daß die alten keltischen Stämme sich nach dem Mond richteten und 13 Mondmonate hatten.
Und dann gibt es noch besondere Variante, daß die Rauhnächte an der Wintersonnwende beginnen, sprich am 21. Dezember mit der Thomasnacht. Der Name Thomas bedeutet übersetzt „Zwilling“. Das ist deshalb interessant, weil der Apostel Thomas auch als Zwilling von Jesus angesehen wurde. Und sind nicht die Sonnwenden auch eine Art von Zwillingen: Sommersonnwende und Wintersonnwende.
Und über vielen Kirchenportalen kann man heute noch 2 Wölfe oder Wolfsdrachen (=Zwillingswölfe) sehen, die für die Sonnwenden stehen. Sie stehen sich gegenüber, und der eine bedeutet die Zeit vor der Sonnwende und der andere die Zeit nach der Sonnwende.
Die Anzahl der Rauhnächte kann im letzteren Fall variieren, und es ist eine Frage der Wahrnehmung, wie lange eine Rauhnacht geht. Bei dieser Wahrnehmung geht es um Zeitqualitäten, bei denen man oft sher genau spürt, daß diese Rauhnacht evtl. auch 2 Tage geht und einen größeren Zeitraum einnimmt als eine andere. Und diese Wahrnehmung ist wiederum wichtig für die Deutung und Zuordnung der Monate des folgenden Jahres.

 

Deutungssysteme

 

Die Alten benutzten jede dieser Rauhnächte für einen Monat des Jahres zum Deuten und Orakeln. Somit steht die erste Rauhnacht für den Januar, die zweite für den Februar und so fort. Sie beobachteten alles: Wetter, wie das Essen geschmeckt hat, ob gestritten wurde oder ob es friedlich zuging. Ob an diesem Tag alles glatt lief oder es Probleme gab. Und wenn ja, welche Probleme usw. Alles, auch das noch so Unwichtige, hatte eine Bedeutung. Und wer es verstand, der konnte den dazugehörigen Monat im Vorhinein deuten. Man konnte das Ganze auch noch weiter diferenzieren. So waren immer zwei Stunden einer Rauhnacht stellvertretend für einen kommenden Monat. Die ersten beiden Stunden von 0.00 Uhr bis 2.00Uhr in der Nacht standen immer für den Januar, die nächsten zwei für den Februar und so fort bis zu den letzten beiden Stunden, die für den Dezember standen. Und das jeden Tag.

 

Verwandlungstage

 

Dann gab es besondere Tage, wie der 28. Dezemberan hatte die ersten drei Tage nur Streit, das Wetter war grauenvoll usw., dann hatten man am 28. Dezember) dem Tag der Kinder, die Möglichkeit, alles wieder gut zu machen und aufzulösen. Dazu war es wichtig, sich alles nochmal genau vorzustellen und dann in weißes Licht zu tauchen oder in violettes und es verwandeln zu lassen in etwas Positives. Das gleiche konnte man am Ende auch nochmal machen – also am 5. Januar, dem Hohen-Frauen-Tag. Darum wurden diese Rauhnächte vorsichtig und wachsam begangen, da sie das ganze kommende Jahr in sich bargen und jeder selber dafür verantwortlich war, wie er die Weichen stellte.

Perchtenumzüge

 

In der letzen Nacht, dem 5. Januar, wurde das ganze Haus, die Ställe und mancherorts auch rund ums Grundstück herum ausgeräuchert. Es gab auch an vielen Orten in dieser Zeit wieder die schon erwähnten Perchtenümzüge – die Wilde Jagd darstellend mit Dämonen, Geistern und bestimmten Tieren und der Percht als Wintergöttin. Dahinter stand, wie in vielen Traditionen der Schamanen auch, daß diese Geister eigentlich vertrieben werden sollten, damit sie einen nicht befielen mit Krankheiten und Tod. Das ist ja auch das, was die Schamanen in allen Traditionen versuchen, sich in die Welt der „Geister und Dämonen“ zu versenken, um dort die krankheitsbringenden Wesenheiten zu konfrontieren. Das ist nicht nur einfach eine Theorie und was uraltes, wie Märchen und Mythen, sondern das ist etwas, was auch heute noch in unseren Seelen wirkt und wo wir oft niemanden haben, der das zu verstehen weiß und damit umgehen kann. Dann werden die Menschen krank, haben Depressionen usw. und keiner weiß so recht, warum.

Begegnungen

 

Wolf-Dieter Storl schreibt in seinem Buch: „Naturrituale“ über eine solche Begegnung mit diesem Wilden Heer zu Winterzeit: „Wir wohnen abgelegen, fern von jedem Dorf … In den Wintertagen, wenn wir eingeschneit sind und es ganz still ist, da kommt es gelegentlich vor, daß sich in den Momenten zwischen Schlafen und Wachen eigenartige Wesen zeigen. Oft sind sie buckelig und verkrüppelt, manchmal jedoch verführerisch schön; ihre Gesichter erinnern an die Perchten und Masken der alemannischen Fasnacht, an tibetische Dämonenmasken oder an die „Falschen Gesichter“, mit denen die Irokesen die Krankheitsdämonen darstellen. Sie sind alle irgendwie leidend, es fehlt ihnen etwas, zugleich sind sie erschreckend und furchterregend. Wenn ich diese Entitäten wahrnehme und dabei Angst bekomme oder gar gegen sie ankämpfe, dauert es erfahrungsgemäß nicht lange und ich oder jemand im Haus oder Stall wird krank. Es ist besser, wenn ich den Mut fasse, ihnen zu sagen, sie sollen weiterziehen. „Wohin sollen wir ziehen!“, fragen sie meist mit rauhen Geisterstimmen. Da sag ich: „Zieht nach Osten, geht ins Licht, der Heiland kann euch geben, was euch fehlt!“ Manchmal klagen sie: „Aber wir haben kein Reisegeld.“ Dann gebe ich ihnen einen Kupferpfennig. Mit ihrem Glückspfennig ziehen sie weiter, und das Haus bleibt vor einer Krankheit verschont. Nach solch einem Besuch räuchern wir oft mit Beifuß, Wacholder und Mariengras, um die Atmosphäre zu reinigen.“

 

Traum und Wirklichkeit

 

Und dann beschreibt er noch ein weiteres Beispiel einer solchen Begegnung: „In der Nacht träumte ich, daß eine Gruppe recht wilder, verwegener Wanderer ins Haus hereinspazierte. Ich stellte mich ihnen in den Weg, als sie durch die Tür ins Haus drangen: „He, was soll das, was macht ihr!“ Aber sie ließen sich nicht aufhalten, sie spazierten munter an mir vorbei. Ich regte mich aber nicht sonderlich auf und gab mich eher freundlich. Einer berührte mich. „Du hast erhöhte Temperatur“, sagte er.
Als ich kurz darauf aufwachte, war mir tatsächlich heiß, und die Haut war feucht. Nun wußte ich, das war kein gwöhnlicher Traum, sondern ein Besuch. Naturgeister, die mit dem starken Schneefall über das Land zogen, sind mir duch Leib und Seele spaziert. Ihre Berührung war ein Geschenk. Ich konnte es nehmen, wie ich wollte. Es war wie des Messers Schneide – so oder so: Entweder ich würde physisch krank werden, bekäme Fieber, oder ich würde mich beim Schreiben mit dem Feuer der Inspiration erhitzen und etwas Schönes herüberbringen, eine echte MÄR (althochdeutsch, „eine Botschaft aus übersinnlichen Welten“, im Sinne von Luthers Weihnachtslied: „Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute, neue Mär“). Wenn ich Angst gehabt hätte, ihnen die Gastlichkeit verwehrt oder den Besuch einfach nicht bewusst erlebt hätte, wäre ich wirklich krank geworden und hätte wohl die Woche im Bett verbringen müssen. Aber ich nahm es nicht auf körperlicher Ebene an, sondern als Feuer der Begeisterung.“

 

Masken nach Geistern geformt

 

Die zu bestimmten Jahreszeiten durchziehenden Naturgeister sind weltweit bekannt. Überall werden sie auf ihrem Durchzug zur Kenntnis genommen, mit Festen und Ritualen gewürdigt und dann aber immer jenseits der Dorfgrenze oder auch Grundstücksgrenze hinauskomplimentiert. In traditionellen Gesellschaften trägt man Masken, die exakt den visionär geschauten Geistern entsprechen. Im Salzburgischen gibt es immer noch Perchtenumzüge zur Rauhnachtzeit. Auch das Bärbeletreiben und Klossatreiben trägt diesen Geist. Auch die Fasnacht ist eine solche Zeit. Die Geister kommen vom „Jenseits“, von außerhalb der gesitteten normalen Gesellschaft. Sie kommen aus dem Wald und der Wildnis, aus den Bergen, Seen und Sümpfen, auch analog zu verstehen als Seelenbilder. Auch Verstorbene sind dabei. Und wilde Tiere. Auch diese werden in den Umzügen dargestellt. Es ist eine starke ungezügelte Naturenergie, die sie mitbringen. Storl schreibt: „Eine Energie, die ausgelassen, geil und fruchtbar macht, aber auch genauso leicht das Gleichgewicht stört und krank machen kann. Die Geister bringen kreatives Chaos, aus dem – so oder so – Neues entstehen kann.“

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